GASTWIRT Ausgabe 2018|05

Gastwirt 2018 / 05 I N F R A S T R U K T U R … ist in jedem Fall die falsche Botschaft, einenMitarbeiter oder eine Mitarbeiterin darauf hinzuweisen, dass die persönliche Körperhygiene zum Image des Hotelbetriebes beiträgt, und darum bitteschön einwandfrei sein sollte! Diese vermeintliche Selbstverständlichkeit ist immer wieder Konfliktthema. Dabei sind aber gerade imHousekeeping einfache Basics unbedingt einzuhalten – alleine schon, weil das Hygienepersonal selbst oft unbemerkt Bakterien und Krankheitserreger ins Haus holt. Auch in der Küche ist Personalhygiene ein heiklesThema. Einer der wichtigsten Bausteine: Händewaschen. G abriele Perklitsch muss sich oft wundern: „Da geben Hotels tausende Euros für High-Tech-Reinigungs- geräte, neue Hygienespender oder Chemieprodukte aus – und dann halten sie einfache Hygienestandards nicht ein. Das Geld ist damit quasi beim Fenster hinausgeworfen!“ Denn der tollste Hygienespender ist unhygienisch, wenn er nicht selbst regelmäßig abgewischt und desinfiziert wird. Die beste Reinigungschemie ist unwirksam, wenn die Hausdame mit ihrer Kleidung Keime nach demWischen noch einmal im Bad verteilt. Oft wäre falsch verstandenes Pflichtbewusstsein oder Angst vor Kündigung die Ursache einer mittleren mikro- biologischen Katastrophe: „Mitarbeiterinnen undMitarbeiter schleppen sich krank zur Arbeit – husten einmal in die Hand, statt in die Armbeuge – und schon verteilen sich die Keime über die Türschnallen munter im ganzen Haus.“ Es stehe Hausverstand gegen Arbeitsrealität, seufzt Perklitsch. Kleidung? Bitte waschen! Das fange bei der Dienstbekleidung an: „Egal, wen du fragst – alle werden dir auf die Frage, wie Arbeitskleidung aussehen soll, zur Antwort geben: frisch und immer sauber.“ In der Realität träfe sie aber – auch in guten Häusern – am Gang immer wieder auf Reinigungspersonal in ungebügelter oder verschmutzter Kleidung … „Der Gast zieht daraus unterbe- wusst seine Schlüsse auf die übrige Hygiene des Hauses“, erläutert die Beraterin. Die Lösung wären klare Vorgaben, wie die Dienstbekleidung auszusehen habe und wie sie zu reinigen sei – gerade, wenn die Mitarbeiter selbst dafür ver- antwortlich wären. Ein weiterer oft unterschätzter Faktor sei die Menge der Kleidungsstücke, die der Hotelier zur Verfü- gung stellte: „Wenn ich nur zwei T-Shirts pro Kopf verteile, dann darf ich mich nicht wundern, wenn die Kleider- und Personenhygiene nicht immer passt“, meint Perklitsch. Außer- dem sei der Hotelier gut beraten, das soziale Umfeld seiner Mitarbeiter zu berücksichtigen – nicht allen Menschen wäre es möglich, täglich ihre Wäsche zu waschen. Perklitsch: „Ich kenne Geschichten – da wohnen fünf, sechs Personen in einer Familie zusammen auf engstem Raum, die Mutter arbeitet nebenbei im Housekeeping und hat so viel zu tun, dass sich die Wäsche einfach nicht auch noch ausgeht. Kulturell be- dingt fühlt sich aber sonst niemand zuständig. Vielleicht ist auch weder für eine Waschmaschine noch für extra Wäsche Platz – und das Waschmittel sowie hohe Stromkosten sind weitere empfindliche Kostenfaktoren im eh schon geringen Haushaltsbudget …“ Wer als Hotelier also auf ein gehobenes Image stolz sein möchte, nimmt die Reinigung der Personalwäsche am besten selbst in die Hand. „Sicherlich auch für Sie ein Budgetposten – aber einer, mit großer positiver Wirkung.“ Übrigens zählten auch die Arbeitsschuhe zur Dienstkleidung, betont Perklitsch – vorbildlich, wer seinen Mitarbeitern zumindest ein Paar zur Verfügung stelle – bloß: „Einmal habe ich erlebt, wie eine Hausdame plötzlich barfuß bei mir im Zimmer stand! Auf

RkJQdWJsaXNoZXIy MjY5MzI=