GASTWIRT Ausgabe 2018|06

Signal für Beständigkeit“, zuckt Alexander die Schultern. Da- bei gäbe es heuer sogar ein gemeinsames Jubeljahr zu begehen – fünf Jahre ist es schon wieder her, da haben die beiden den altehrwürdigen ‚Waldviertlerhof ‘ in der Schönbrunner Straße in ihre Lokalfamilie aufgenommen. Es war ein erster Versuch, miteinander etwas zu machen, und der Erfolg freut beide: „Wir haben schon gewusst, dass wir zusammen gut funktionieren, das war in unserer Kind- heit schon so – da waren wir sehr eng. Aber geschäftlich ist es natürlich was Anderes. Sich privat gut zu verstehen, ist noch keine Garantie, dass es im Business klappt.“ Vielleicht liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, dass die Brüder das Projekt eher von außen begleiten. „Keiner von uns steht drinnen, dafür haben wir mit Armend Gjocaj einen großartigen Restaurant- leiter“, erklärt Alexander. Aber auch in der Beratungstätigkeit hat jeder seinen klar definierten Bereich: Sebastian kümmert sich um Finanzen und Verträge, Alex um Neupositionierung, Gäste und Speisekarte. Weg mit dem Emmentaler Was zunächst wie das leichtere Los klang, entpuppte sich für Alexander unverhofft als veritabler Spießroutenlauf. Topmotiviert sei er gewesen, mit einem ganz klaren Bild vor Augen, wo er den Waldviertlerhof mit einem moder- nen Gastronomiekonzept hin entwickeln könnte und dann – statt Lob nur harsche Beschwerdebriefe: „Sie töten den Waldviertlerhof!“, „Was führen Sie auf, das ist eine Frech- heit!“ Kurz sei er echt frustriert gewesen, so Laskowsky. Der Grund für den kollektiven Groll: Reispfanne Sze- chuan, Jägerpfandl und Emmentaler gebacken – die 80er Klassiker sind seit der Übernahme durch die Laskowsky- Brüder Geschichte. „Dafür gibt es jetzt Jungschweinsbra- ten aus dem Eisenpfandl und handgewuzelte Mohnnudeln – dafür soll der Waldviertlerhof stehen.“ Und tatsächlich sind die kleinen Kinder, die im Gastgarten herumwuseln, plötzlich nicht mehr die Enkerl, sondern die Kinder seiner Gäste. Ein nicht unwesentlicher Faktor für die Entwick- lung eines nachhaltigen Gästeprofils. Lokalrunde AmRathausplatz ist es mittlerweile 12:30 Uhr – die Sonne hat sich durchgesetzt, die ersten Gäste tasten sich vorsichtig um die Ecke an den frisch aufpolierten Streetfood-Stand heran. Langsam bildet sich eine Schlange und nach kurzem Zögern stapft ein Pärchen – vollbeladen mit handgeschnittenen Süß- kartoffel-Pommes, dem berühmten „Schwemme“-Pastrami- sandwich und einem Pulled-Beef-Burger – die steile Stiege ins Obergeschoß hinauf. Alexander nimmt es mit zufriedenem Grinsen wahr. „Es ist jedes Jahr am ersten Tag dasselbe – ich fühle mich wie vor einer Geburt.“ Herbert bringt eine Aus- wahl aus dem Cocktail-Angebot – zum Anstoßen, aber Las- kowsky nippt an jedem Glas nur einmal. Er nickt zufrieden und erhebt sich schlüsselklappernd. „Nicht bös sein, ich muss noch ins Gelbmann was holen, dann hab ich versprochen, ich schau einen Sprung im Waldviertlerhof vorbei und eigentlich will ich zurück sein, bevor heute die Anti-12-Stunden-Tag- Demo die ganze Stadt überrollt. Vielleicht gönnen sich die Demonstranten ja nachher alle bei uns eine Stärkung, dann hätte das Ganze wenigstens doch was Positives ...“ Feiertagsbier Am Abend wird er sich dann – wie jeden Tag – seine ver- diente Pause gönnen. Im jüngsten Lokal – der Mutter der letzten beiden Rathausplatzauftritte. „Die Schwemme hab ich für mich gemacht – so stelle ich mir meine Afterwork- Bar vor: klein, fein, mein Essen, mein Bier – und ein paar Gäste zum Plaudern.“ Am Feierabend zum Lieblingswirten – Alexander Laskowsky ist in jeder Lebenslage ganz bei sich. Gastwirt 2018 / 06

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