GASTWIRT Ausgabe 2018 | 10

I N F R A S T R U K T U R Gastwirt 2018 / 10 Daniel Düsentrieb gehört einer aussterbenden Gattung an? Nicht ganz – der Wiener Alexander Mojzis geht durchaus als „Erfinder“ durch. Mit „SimplyHeat“ hat er gerade ein neuartiges Heizsystem entwickelt, mit dem er die Zukunft des Heizens revolutionieren könnte, auch – oder gerade – in der Hotellerie. Mojzis hat die Idee der „Tapetenheizung“ aus den 1970ern aufgegriffen und ins Jetzt übersetzt: Ein Stück Mesh-Stoff wird an die Decke gespachtelt, mit einemKupferband ans Stromnetz angeschlossen und mit ein wenig Wandfarbe unsichtbar gemacht…Stemmarbeiten, lästige Heizkörper aber auch die leidige trockene Heizungsluft sind fortan Geschichte. Der GASTWIRT hat sich das vermeintliche Wunderding näher angesehen. Der Stoff, der eine Heizung ist Im Showroom von Alexander Mojzis in Wien-Margareten ist es angenehm warm. Das fällt ganz besonders auf, weil sich der Winter draußen von seiner ekelhaftesten Seite zeigt – eisig nie- selnd und windig. Auf Empfehlung des Hausherrn wärme ich meine klammen Finger an der schick mit Lehm verspachtelten Wand. Gleich daneben: unzählige kleine Kacheln aus Keramik, Holz, Terracotta und sogar Aluminium. „Damit man sieht, wie die Wärme sich durch das jeweilige Material anfühlt“, erklärt Mojzis seine ungewöhnliche Wanddekoration. Ich lasse meine Hand über die Kacheln gleiten, und tatsächlich: Das Wärme- empfinden ist von Oberfläche zu Oberfläche unterschiedlich. Für die Funktionsweise von SimplyHeat würde das aber kei- nen Unterschied machen, meint Mojzis. Tapetenheizung 2.0 Das InfraMesh, das als die „dünnste Heizung der Welt“ wie ein Stück Tapete an Decken und Wände angebracht werden kann, heizt nämlich nicht nur die darüber liegendeWandverkleidung auf. Die Wärme dringt hindurch und alle Gegenstände, die sich im Raum befinden, werden – automatisch – zumWärme- speicher. „Das ist ein physikalisches Grundprinzip: Körper in einem Raum streben danach, ihre Temperatur einander an- zugleichen und nehmen so lange Raumwärme auf, bis dieser Temperaturausgleich stattgefunden hat“, erklärt Mojzis. Der angenehme Effekt: Das Raumklima bleibt gleichmäßig, selbst wenn die Heizung ausgeschaltet ist. „SimplyHeat funktioniert ähnlich wie Infrarot – allerdings gibt es keine klobigen Paneele und es handelt sich um Niedertemperatur-Strahlungswärme – wir sprechen also von maximal 45° Celsius direkt am Heizme- dium“, erklärt mir Mojzis, wedelt mit einem kleinen Stück Stoff vor meiner Nase herum und wirkt keineswegs irritiert, dass ich ihn immer noch verständnislos anstarre… Er nimmt meine Frage vorweg: „Wie, bitteschön, kommt die Wärme in den Stoff?“ – Denn der Stoff sieht tatsächlich bloß wie ein löchriges Stoffstück aus. Geduldig erklärt Mojzis mir die Technik dahinter: In die InfraMesh-Streifen sind an den Rändern zwei praktisch unsichtbare Kupferbahnen einge- woben, dazwischen spannt sich ein Netz aus feinsten Karbon- fasern. Durch das Kupfer wird Strom geleitet, der das Karbon- netz auf bis zu 45 Grad Celsius erwärmt.“ Aha! Ein Bild von warm Mojzis kramt in seiner Tasche und zieht eine winzige Wär- mebildkamera heraus, die er an sein Tablet andockt. Da- mit zeigt er mir nun die im Schauraum versteckten Heiz- bahnen: Vier Streifen leuchten da knallrot von der Decke; 42° C zeigt die Kamera an diesen Stellen an. „Die Raum- temperatur beträgt?“ Mojzis deckt kurz das Display ab, ich soll raten. 23 Grad? Ich muss zweimal hinschauen – es sind gerade mal 19 Grad. Mojzis grinst: „Eine herkömmliche Konvektionsheizung erwärmt die Luft, die steigt auf und Text: Elisabeth Waxmund

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