GASTWIRT Ausgabe 2019 | 03

Gastwirt 2019 / 03 F & B Totgeglaubte leben länger. Gin als vermeintliche „Trend- Spirituose“ ist nämlich nicht, wie von vielen prophezeit, nach kurzemHype wieder von den heimischen Bartresen verschwunden – imGegenteil: Gin-Tonic hat sich bei der breitenMasse als Lieblingslongdrink durchgesetzt. Und da geht noch mehr! Kaum eine Spirituose scheint die Kreativität von Gastronomen, Barmenschen und Produzenten so zu beflügeln wie Gin. Ausgefallene Experimente und spannende Drinks, manche gehen wortwörtlich unter die Haut: Wann haben sich Ihre Gäste zuletzt Ihr Logo tätowieren lassen? Und haben Sie Ihren Gästen schon einmal Gin in den Champagner geträufelt? Neu ist die Idee ja nicht: der legendäre Harry McElhone mix- te angeblich schon 1912 in seiner „Harry’s New York Bar“ in Paris einen Cocktail aus Gin und Champagner. Als „French 75“ – eine Anspielung auf den Kick, den einem eine französi- sche 75-Millimeter-Kanone bei einem Treffer verpassen wür- de – mauserte sich die Mischung mit Zucker und Zitronensaft schnell zum Barklassiker. Zur „Mutter aller Champagner- Cocktails“, wie Fritz Blauert meint… Blauert betreibt seit rund einem Jahr seine exklusive Cham- pagner Bar „Capsule“ im ersten Bezirk. Und genau hier wird auch die Idee geboren, edle Champagner mit neuen Aro- men in Form von Gin-Botanicals anzureichern – wenngleich Blauert anfangs skeptisch ist. „Eigentlich sind Experimente ja überhaupt nicht mein Ding“, gibt er zu, „außerdem finde ich, meine Champagner sprechen für sich und jeder einzel- ne ist auf seine Weise spannend!“ Sein guter Bekannter und „Jin“-Manufakteur Michael Kantor, überredet ihn dann doch: die Männer beginnen, vorsichtig mit einer Pipette Jin in ihre Gläser voll Champagner zu träufeln… Anders als beim ur- sprünglichen French 75 setzen Blauert und Kantor bei ihrem Versuch nicht auf Billigschampus und Standard-Gin, sondern experimentieren mit Produkten höchster Qualität – darunter mehre ältere Jahrgänge Dom Perignon. „Wir wollten schauen, was man da rausholen kann…“ Tröpfchenweise zum Glück Langsam tasten sie sich heran: zuerst nur drei Tropfen Jin in das 0,1 l Glas Champagner. Blauert staunt: „Der Champagner bleibt total imVordergrund! Nur ganz leicht spielen die feinen Wachholdernoten mit hinein.“ Sechs Tröpfchen: „Das ist jetzt schon ein neues Getränk – zuerst kommt aber der Alkohol stark durch.“ Blauert und Kantor lassen den Komponenten ein paar Minuten Zeit zu emulgieren – was wiederum ein neues Ergebnis zutage bringt. „Jetzt transportiert die Moussage die feinen Kräuter- und Fruchtnoten ideal: die Aromen des Gins sind wie vaporisiert! Am Gaumen ist der Gin nur flüchtig zu erkennen, aber in der Nase explodiert alles!“ Die Männer (G) Infusionen Text: Elisabeth Waxmund i n © iStock.com

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