INTERNATIONALER HOLZMARKT Ausgab 2019 | 05

20 HOLZBE- UND -VERARBEITUNG Ein Plädoyer für mehr Holzbau Warum Holzbau aktiver Klimaschutz ist … Überall wird nach Möglichkeiten gesucht, um den Ausstoß von CO 2 zu reduzieren. Eine Möglichkeit bietet sich etwa in der Bauwirtschaft: Mit der Umstellung auf den Holzbau ließe sich aktiver Klimaschutz betreiben. Auf diese Weise würden große Mengen an CO 2 aus der Luft gefiltert, ohne das Klima anderweitig negativ zu beeinflussen. W as zunächst widersprüchlich klingen mag – im Holzbau werden doch Bäume gefällt, wie kann das zum Klimaschutz beitragen? – wird bei genauer Auseinandersetzung mit dem Thema klarer. So darf eine nachhaltige Forstwirtschaft den Rohstoff nicht aus Kahlschlägen, sondern aus langfristig wirt- schaftlichen Quellen, gewinnen. Die Holzgewinnung muss also mit einer sicherzustellenden Wiederauf- forstung einhergehen. Solange das Holz sich nicht zersetzt, bleibt das CO 2 dort eingelagert und gelangt nicht in die Atmosphäre. Als Baustoff ist Holz somit deutlich klimaneutraler als beispielsweise Zement oder Stahl, die beide für etwa sechs bis acht Prozent des weltweiten CO 2 -Ausstoßes verantwortlich sind. Würde Holz diese Materialien in der Bauwirtschaft verdrängen, hätte dies daher positive Auswirkungen auf den Ausstoß an Kohlenstoffdioxid. Für eine Se- kundärnutzung im Anschluss ist Holz darüber hinaus leichter recycelbar als andere massive Baustoffe. Besonders in Deutschland, wo bereits deutlich mehr Holz nachwächst als geschlagen wird, sollte diesem Baumaterial daher mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. In diesem Rahmen müssen allerdings auch die Regeln des Brandschutzes neu auf den Prüfstand gestellt werden. Diese blockieren derzeit eine Ent- wicklung hin zu mehr Holzbau, worüber sich in Fach- kreisen bereits eine breite Diskussion entwickelt hat. Brandschutzvorgaben behindern klima freundliche Holzbauweise Die Bayerische Bauordnung, zumBeispiel, schließt in Art. 24, Abs. 2, Satz 3, Nr. 1 Holz für feuerbeständige Bauteile explizit aus, da die 90-minütige Feuerwider- standsdauer nur auf „Bauteile, deren tragende und aussteifende Teile aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen [...]“ beschränkt wird. Somit können keine Holzbauten bei Gebäuden der Gebäudeklasse 5 (Fuß- bodenhöhe > 13 m oder Einheiten > 400 m2) erstellt werden, sofern keine Ausnahmegenehmigungen mit aufwändigen Kompensationsmaßnahmen wie zum Beispiel dem Einbau von Sprinkleranlagen, zwei baulichen Rettungswegen oder ähnlichem erfolgen. Bei Gebäuden der Klasse 4 (Fußbodenhöhe > 7 m bis 13m, Einheiten < 400 m2) sieht es auch nur etwas besser aus. Zwar ist die Holzbauweise in hochfeu- erhemmender Qualität („F60“) zulässig, die Bauteile bedürfen aber jeweils einer aufwändigen Prüfung. Hier wären vereinfachende Bauteilkataloge mit als sicher einzustufenden Bauteilen hilfreich, so dass nicht nur Großbetriebe sondern auch mittelständisch organisierte Zimmereien diese Bauteile einfacher ausführen können. Eine weitere Vereinfachungsmöglichkeit wäre die generelle Zulassung von massiven, sichtbaren Holzbaustoffen in hochfeuerhemmender Qualität innerhalb von noch zu definierenden Rahmenbe- dingungen. Derzeit gibt es zwar Hersteller, die diese Qualität für Ihre Produkte angeben, generell verwenden dürfen sie Planer jedoch nicht, weil die BayBO in Art. 24, Abs. 2, Satz 2 Nr. 3 eine „wirk- same Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen (Brandschutzbekleidung) und Dämmstoffe aus nicht- brennbaren Baustoffen“ fordert. Während die Bayerische Bauordnung dem Holz- bau aus Brandschutzgründen Steine in den Weg legt, sind andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin immerhin schon weiter: Sie haben ihre Verordnung geändert und helfen damit, die Klimaziele zu erreichen. Die Bauordnungen von Baden-Württemberg (Landesbauordnung, Art. 26), Hamburg (Hamburgische BO, Art. 24) sowie Berlin (Berliner BO, Art. 26) sind etwa um einen Absatz 3 ergänzt worden, der „[…] raumabschließende Bau- teile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig […]“ sind – darunter auch Massivholz – zulassen, wenn „[…] die geforderte Feuerwiderstandsfähigkeit […]“nachgewiesen wird. Dass ein Raumabschluss über die geforderten 90 Minuten hinaus nötig wird, ist lediglich bei bestimmten Sonderbauten wie zum Beispiel Hochhäusern über 60 m oder im Atomrecht der Fall. Auch unseren Nachbarn in Österreich und der Schweiz erlauben die weitergehende Verwen- dung des Baustoffes Vorteile von Holz nicht ausgeschöpft Die Brandschutzvorgaben der drei Bundesländer erlauben damit, auch feuerbeständige Bauteile aus Holz (F-90-B) einzusetzen, solange die statische Tragfähigkeit und der Raumabschluss über 90 Mi- nuten nachgewiesen werden. Eine solch feuerwi- derstandsfähige Holzdecke ist dementsprechend genauso sicher wie eine 90-Minuten-feuerwider- standsfähige Stahlbetondecke. Entscheidend ist da- bei die Dimensionierung des Bauwerks und seiner Anschlüsse. Ähnlich wie beim Stahlbeton, bei dem der Feuerwiderstand über eine ausreichende Beton- überdeckung sichergestellt wird, müssen natürlich auch beim Holzbau insbesondere die Verbindungs- mittel vor Feuer geschützut werden, da diese häufig den Schwachpunkt darstellen. Festzuhalten bleibt somit, dass immerhin erste positive Entwicklungen im Hinblick auf die Ver- wendung von Holz als Baustoff zu verzeichnen sind. Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin haben bereits erkannt, dass der Brandschutz auch bei Holz beherrschbar ist und nicht schlechter sein muss als bei Stahlbeton. Um effektiven Klimaschutz zu betreiben, ist die Substitution von Stahl und Beton notwendig; das heißt, es wird ein Ersatzbaustoff benötigt. Dies wird zudem noch verstärkt durch die zunehmend geringere Verfügbarkeit von Sand als einem der Grundstoffe von Beton auf den Weltmärkten. Ein weiterer Vorteil von Holz und Holzwerkstoffen ist deren geringes Ge- wicht. Als extrem leichte Baustoffe im Gegensatz zur Massivbauweise erlauben sie somit Aufstockungen auf bestehende Bauten ohne zusätzlichen Flächen- verbrauch – auch das ein Thema bei aktuellen ge- 1 www.holzmarkt-online.at 5/2019 Foto: GFM Bau- und Umweltingenieure GmbH

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