Internationaler Holzmarkt Ausgabe 2020 | 01

www.holzmarkt-online.at 1/2020 Ein zu trockenes Waldjahr mit Wetterextremen und starkem Schneebruch haben es den heimischen Wäldern und Forstbetrieben 2019 nicht leicht gemacht. Der Anteil an Schadholz ist auf 80 Prozent gestiegen. Zudem kostet der Klimawandel den Bundesforste über 40 Millionen Euro, somit haben sich die Kosten für den Klimawandel fast verdoppelt. R ekordschnee, extreme Trockenheit und der heißeste Juni der Messge- schichte: Einmal mehr prägten Wetterextreme das Waldjahr 2019. „Der Klima- wandel gönnt uns keine Verschnaufpause. Ein Jahr mit Wetterextremen folgt auf das nächste“, konstatiert Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) trocken. „Nach außergewöhnlich großen Schneemengen zu Beginn des Jahres begleitet von starkem Schneebruch folgten überdurchschnitt- lich trockene Monate und schließlich der wärmste Juni seit Messbeginn. Die nie- derschlagsarmen Sommermonate begünstigen den Borkenkäfer, der insbeson- dere in den Lagen nördlich der Donau erneut zu hohen Käferraten geführt hat.“ Entsprechend fällt die vorläufige Waldbilanz 2019 aus: Rund 80 Prozent der ge- samten Jahresmenge von rd. 1,4 Millionen Erntefestmeter sind heuer Schadholz, das entspricht einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2018: 66 Prozent). Ein Großteil davon stammt von Schäden durch Stürme und Schnee- bruch. Die Effekte werden sich auch im kommenden Jahresergebnis widerspie- geln. „Durch Mehrkosten bei Käferprävention und Holzernte sowie Mindererlösen durch Schadholz rechnen wir heuer mit Klimawandelkosten von über 40 Millio- nen Euro, was etwa einem Fünftel der Betriebsleistung entspricht“, umschreibt Georg Schöppl, Vorstand für Immobilien und Finanzen, das Ausmaß der Auswir- kungen. „Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Klimawandelkosten damit fast verdoppelt (2018: 23,6 Millionen), innerhalb von drei Jahren nahezu verdreifacht (2017: 15,7 Millionen).“ Mit zahlreichen Waldpflegemaßnahmen wurde intensiv an der Käferprävention gearbeitet – mit Erfolg: „Trotz der Schadereignisse wird der Anteil des Käferholzes nicht deutlich höher ausfallen, sondern insgesamt auf dem Niveau des Vorjahres zu liegen kommen“, erklärt Freidhager. Aufarbeitung des Schneebruchs fast abgeschlossen Eine Herkulesaufgabe bedeutete die Aufarbeitung der Schneebruchschäden nach den außergewöhnlichen starken Schneefällen im Jänner, zu denen es in Folge einer gewaltigen Nordstaulage in den Randalpen gekommen war. Betrof- fen waren vor allem die Gebiete Traun- und Innviertel (OÖ) rund um den Attersee und Mondsee sowie die Reviere im Gebiet Flachgau-Tennengau (Sbg.). Während Jungpflanzen von der außergewöhnlich hohen Schneedecke geschützt blieben, wurden vor allem zwei bis drei Meter hohe Jungbäume in Mitleidenschaft ge- zogen, die den Schneemassen nicht standhalten konnten. „Die Aufarbeitung des Schneebruchs gestaltete sich als sehr aufwändig, da die Schäden über die gesamte Fläche verteilt waren“, erklärt Freidhager. „Ein Großteil der Schäden konnte jedoch im heurigen Jahr aufgearbeitet werden. Solange es die Witte- rungsverhältnisse zulassen, werden die Arbeiten noch fortgesetzt.“ Aufgrund der sehr milden, teils warmen Monate Februar, März und April war die ungewöhnlich hohe Schneedecke rasch abgeschmolzen, erst der nass-kühle Mai brachte ge- nügend Feuchtigkeit zeitgerecht zu Beginn der Vegetationsperiode. Die Wärme der darauffolgenden Monate begünstigte das Käferaufkommen. „Im Schnitt kam es zu zwei, in tiefen Lagen zu bis drei Schwarmflügen des Borkenkäfers, der mittlerweile auch in Gebirgslagen bis zu 1.800 Meter Seehöhe anzutreffen ist“, so der ÖBf-Vorstand. Infolge war in den außeralpinen Gebieten wie Kobernaußer Wald, Mühlviertel und Waldviertel erneut massives Borkenkäferaufkommen zu verzeichnen. Es fehlte eine bessere Versorgung und gleichmäßigere Verteilung der Niederschläge vor allem den Sommer über. „Da der Juni so außergewöhn- lich heiß und trocken war, waren die Vorräte heuer schon im Juli aufgebraucht.“ Auch die jüngsten Starkniederschläge im Südwesten Österreichs blieben nicht ohne Folgen: Hangrutschungen, Gerölllawinen, Vermurungen von Forststraßen und örtliche Verklausungen führten zu neuerlicher Schadholzaufarbeitung vor allem in Oberkärnten und im Pinzgau. Was der Klimawandel kostet Die Schadereignisse und Kalamitäten hinterlassen auf den Holzmärkten und in der Bilanz deutliche Spuren. „Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Mengen, die derzeit am zentraleuropäischen Markt sind, haben sich die Frachtkosten im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, die Holzerntekosten nahezu verdrei- facht. Die Holzpreise hingegen haben um bis zu 20 Prozent nachgegeben“, be- richtet Georg Schöppl. „Hinzu kommen Mehraufwendungen für Waldpflege und Käferprävention. Mit knapp 41 Millionen Euro werden wir heuer so hohe Klima- wandelkosten haben wie noch nie.“ Nichtsdestotrotz müssen die Investitionen in die Waldpflege fortgesetzt werden, um die Bestände klimafit zu machen und den Waldumbau voranzutreiben. „2019 haben die Bundesforste in Waldpflege 12,2 Mio. Euro investiert, davon allein rund 5,7 Millionen Euro in Käferpräven- tion. Hinzu kommen weitere drei Millionen Euro für Schutzwälder“, erklärt Georg Schöppl. „Auch für 2020 sind wieder Investitionen in der Höhe von rund zwölf Mil- lionen Euro für Waldpflege, Käfer-prävention und Schutzwälder geplant.“ Umbau zu klimafitten Wäldern vorantreiben „Die Trockenheit setzt Österreichs Wäldern zunehmend zu“, stellt Rudolf Freid- hager fest. „Nach den letzten überdurchschnittlich warmen Jahren sind die Wald- bestände mancherorts bereits geschwächt. Doch im Kampf gegen den Klimawan- del sind vitale Wälder wichtiger denn je zuvor! Umso mehr heißt das für uns, den bereits eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen: den Umbau zu arten- und strukturreichen Mischwäldern, die stabiler und solchen Wetterextremen besser gewachsen sind und der Fokus auf Baumarten, die mit Trockenheit und Stürmen besser zurechtkommen.“ Für jedes ihrer 120 Forstreviere in ganz Österreich ha- ben die Bundesforste neue Zukunftskonzepte erstellt und die Waldbewirtschaf- tung bis 2100 bereits an zukünftige Klimabedingungen angepasst. „Denn wir wollen auch den nächsten Generationen grüne und intakte Wälder hinterlassen, die nicht nur uns Menschen, sondern auch unzähligen Tieren und Pflanzen einen unersetzlichen Schutz-, Nutz- und Lebensraum bieten“, so Rudolf Freidhager ab- schließend. (ÖBf) Waldbilanz 2019 1 | Hochwasserschäden im Forstrevier Lauffen im Goiserer Weissenbachtal, im Goiserer Weissenbachtal, Forstbetrieb Inneres Salzkammergut (OÖ), Juli 2019 2 | Schwere Unwetterschäden in Russbach am Pass Gschütt, Forstbetrieb Flachgau-Tennengau (Sbg), Juli 2019 3 | Schneebruchschäden im Forstrevier St. Michael, Forstbetrieb Kärnten-Lungau, Nov 2019 4 | Borke mit Larvengängen des Borkenkäfers 18 Forstwirtschaft © Fotos: Österreichische Bundesforste

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