INTERNATIONALER HOLZMARKT Ausgabe 2020 | 01

www.holzmarkt-online.at 2/2020 14 Verpackung Corona-Epidemie Herausforderungen für die Holzpackmittelindustrie Nicht nur Chinas Industrie ist wegen der Corona-Epidemie stark unter Druck geraten. Immer mehr Staaten folgten dem Beispiel und riegelten alles ab. Deutliche Auswirkungen auf die eng mit China verflochtenen Branchen der weltweiten und damit auch der deutschen Wirtschaft sind allerorts spürbar. „Das gilt insbesondere für die deutsche Holzpackmittelindustrie. Für sie stellt die Epidemie in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung dar“, so der Geschäftsführer des Bundesverbandes Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) e.V., Marcus Kirschner. D ie Ausbreitung des Virus in Asien hat die dortige Wirtschaft gebremst und hat unmittelbare Auswirkungen sowohl auf die deutschen Exporte als auch auf die Einfuhren. Dies spüren die HPE-Mitgliedsbetriebe kundenseitig. „Die Häfen sind voll. Waren fließen nicht ab. Container und Transportmöglichkeiten sind gebunden. Lagerplätze werden auch in den Versenderländern knapp. So auch in Deutschland“, fasst Kirschner die Entwicklungen zusammen. Viele HPE-Mit- gliedsbetriebe unterstützen deshalb ihre Kunden durch die Zurverfügungstel- lung von Lagerplätzen und lagern bereits verpackte Waren zwischen. „Allerdings fehlen den Kunden der HPE-Mitglieder zunehmend Zulieferteile aus Asien, aber auch Abnehmer in den großen Wachstumsmärkten, was sich auf die Produktion hierzulande und damit auch auf die Hersteller von Holzpackmitteln und Paletten auswirkt“, so Kirschner. Ein weiteres aus der Krise erwachsendes Problem: Für die deutsche Forst- und Holzwirtschaft könnte auf dem deutschen Rohstoffmarkt eine besonders kriti- sche Situation entstehen. „Der hohe Anfall an Kalamitätsholz stellt die Forstbe- triebe vor enorme personelle und finanzielle Herausforderungen. Dabei dient der Export von Nadelrundholz nach Asien als wichtigstes Ventil zur Entlastung der Märkte, da auch die Kapazitäten der Säger am Limit sind“, so Kirschner und erklärt weiter: „Viele Qualitäten finden zudem wenig Abnehmer. Der Sortier- aufwand, qualitativ adäquates Holz zu bekommen, ist für Säger und Holzpack- mittelhersteller deutlich gestiegen.“ Nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH) e.V. ist im Betrachtungszeitraum Januar bis November allein der Export von Nadelsägerundholz 2018 von 264.000 Kubik- metern auf mehr als 2,3 Millionen Kubikmeter gestiegen. Vergleichbares zeig- te sich bei den Ausfuhren von Nadelschnittholz, bei dem die Ausfuhren nach China im gleichen Zeitraum von etwa 90.000 auf mehr als 560.000 Kubikmeter gestiegen sind. „Somit ist die Situation für die Holzpackmittelhersteller doppelt belastend: So- wohl durch den hohen Anfall von Kalamitätsholz am Holzmarkt, dem nun durch die Corona-Epidemie ein wichtiges Abflussventil abhanden zu kommen droht, als auch durch die Versorgungsengpässe und Absatzeinbußen der Kunden.“ Die deutsche Holzpackmittelindustrie brauche einwandfreies Frischholz, um den Anforderungen des ISPM 15 Standards und darüber hinaus gerecht zu werden. „Dazu müssen in Forst und Säge entsprechende Kapazitäten zur Verfügung ste- hen. Kundenseitig sind stabile Märkte für alle Produkte, die in oder auf Holzpack- mitteln transportiert werden, unabdingbar“, bekräftigt der HPE-Geschäftsführer. Natürlich räume auch die Holzpackmittelindustrie der Verhinderung der Weiter- verbreitung des Virus Priorität ein. Dazu Kirschner abschließend: „Pandemieplä- ne in den Unternehmen regeln, was bei welchen Eskalationsstufen zu tun und wer wofür verantwortlich ist. Alles sowohl unter den Prämissen des Gesundheits- schutzes der Mitarbeiter und Geschäftspartner als auch zur Sicherstellung der gewohnten und geschätzten Lieferfähigkeit. Denn eines ist sicher: Auch wenn vielerorts in den Regalen Toilettenpapier, Desinfektionsmittel oder Mehl fehlt – es braucht Paletten, um die Waren in die Geschäfte zu bringen und es braucht Holzpackmittel, die die Ersatzteile zu den Maschinen bei den Herstellern dieser Waren bringen.“ (HPE) Der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) e.V. feierte 2019 sein 150-jähriges Bestehen. Er ist ein Fachverband mit mehr als 420 überwiegend inhabergeführten Unternehmen aus allen Be- reichen der Holzpackmittelindustrie, die etwa 80 Prozent des Branchen- umsatzes von rund 2,3 Milliarden Euro repräsentieren. Die Mitglieder des HPE sind Anbieter von Paletten, Packmitteln, Kabeltrommeln, Steigen und Spankörben aus Holz sowie Dienstleister aus den Bereichen Ver- packen, Containerstau und Logistik. Der hochgerechnete Holzbedarf der Branche liegt – inklusive der Kleinbetriebe unter 20 Mitarbeitern – bei rund sechs Mio. Kubikmetern. www.hpe.de Ohne Paletten sähe es in diesen Regalen noch trauriger aus … © HPE

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