INTERNATIONALER HOLZMARKT AUSGABE 2020 | 03

www.holzmarkt-online.at 3/2020 14 Nachhaltigkeit Neue Studie zeichnet düsteres Bild für die Zukunft des Waldes Wald im Wandel Der Wald ist weltweit großen Belastungen ausgesetzt. Klimatische Extreme wie Hitze und Dürre setzen ihm zu. Eine im Fachmagazin Science erschienene Studie mit Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) ist der Frage nachgegangen, wie der globale Wandel Wälder in Zukunft verändern könnte. Die Forscherinnen und Forscher zeigen die mögliche Entwicklung des Waldes auf und liefern damit eine wichtige Grundlage für Waldpolitik und Waldbewirtschaftung. D ie beiden Hitzesommer 2018 und 2019 haben Mitteleuropas Wäldern massiv zuge- setzt. Alleine in Deutschland kam es in die- sen beiden Jahren zum Absterben von mehr als 200.000 Hektar Wald, was annähernd der Fläche des Saarlandes entspricht. In Aus- tralien gab es in den vergangenen Monaten Waldbrände ungeahnten Ausmaßes und auch im Amazonas standen große Waldflächen in Flammen. Und doch zeugen manche Satellitendaten und Modellrechnungen von einem Ergrünen des Planeten, dem „global greening“. Gleich- zeitig zeigen Langzeitbeobachtungen, dass Bäume – nicht zuletzt aufgrund des steigen- den CO2-Gehaltes in der Atmosphäre und kürzerer Winter – vor allem auch in Mittel- europa heute besser wachsen als noch vor einigen Jahrzehnten. Wie wird also der Wald der Zukunft aussehen? Effekte des globalen Wandels Der globale Wandel wirkt sich sowohl auf das Wachsen als auch auf das Sterben von Bäu- men aus. Die Studie mit Beteiligung von Ru- pert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, unter- sucht acht zentrale Faktoren, die die Demo- graphie der Wälder beeinflussen. Dabei finden Änderungen in Temperatur und CO 2 ebenso Berücksichtigung wie Luft- feuchtigkeit, Dürre, Waldbrand, Windwurf, Insekten und Landnutzung. „Unsere Ana- lysen zeigen, dass wir gerade einen Wech- sel von überwiegend positiven Effekten des globalen Wandels hin zu einer Periode der wachsenden Limitierungen für Bäume erle- ben“, sagt Rupert Seidl. Das Baumsterben geht weiter Während positive Effekte auf das Wachsen von Bäumen in Zukunft stark variabel und lokal unterschiedlich ausfallen werden, zeigt sich ein über alle Faktoren hinweg einheitlich negatives Bild in Hinblick auf Mortalität. Stö- rungen wie Waldbrände, Insektenschäden, Windwurfereignisse und Dürren nehmen im Klimawandel an Häufigkeit und Stärke zu. „Das Baumsterben wird weitergehen“, so Seidl, „wobei große Bäume besonders be- troffen sind, da sie beispielsweise dem Wind stärker ausgesetzt sind und es für sie schwe- rer ist, ihre Blätter kontinuierlich mit Wasser aus dem Boden zu versorgen.“ Der Wald verändert sich Die Zukunft des Waldes geht also in Rich- tung kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse. Das könnte bedeuten- de Auswirkungen auf die Klimaschutzwir- kung von Wäldern haben: Weniger Biomasse heißt nämlich auch, dass geringere Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Wald gespeichert werden, was den Klimawandel weiter anheizt. Auch andere für den Menschen wichtige Leistungen des Waldes, wie die Filterung von Trinkwasser und der Schutz vor Natur- gefahren wie Muren und Hochwasser, welche gerade im dicht besiedelten Mitteleuropa von besonderer Bedeutung sind, könnten unter diesen Entwicklungen leiden. Und auch auf die Biodiversität wird der zunehmende Ver- lust von alten Wäldern und großen Bäumen sich auswirken. Der globale Wandel und seine Auswirkun- gen stellen die Waldbewirtschafterinnen und Waldbewirtschafter daher vor die große Her- ausforderung, die vielfältigen Leistungen des Waldes auch in Zukunft nachhaltig für die Ge- sellschaft sicherzustellen. Publikationen: Nate G. McDowell, Craig D. Allen, Kristina Ander- son-Teixeira, Brian H. Aukema, Ben Bond-Lamberty, Louise Chini, James S. Clark, Michael Dietze, Charlot- te Grossiord, Adam Hanbury-Brown, George C. Hurtt, Robert B. Jackson, Daniel J. Johnson, Lara Kueppers, Jeremy W. Lichstein, Kiona Ogle, Ben Poulter, Tho- mas A.M. Pugh, Rupert Seidl, Monica G. Turner, Maria Uriarte, Anthony P. Walker, Chonggang Xu (2020): Pervasive shifts in forest dynamics in a changing world. In: Science 368. DOI: 10.1126/science.aaz9463 Baumsterben ist ein zunehmend globales Phänomen. Eine im Fachmagazin Science erschienene Studie mit Beteiligung der TUM beschäftigt sich mit der Frage, wie der globale Wandel Wälder in Zukunft verändern könnte. Große Bäume sind besonders vom Baumsterben betroffen. Das fand ein internationales Forschungsteam unter TUM-Beteiligung in einer Studie heraus. Wie werden unsere Wälder künftig aussehen? Einer Studie mit Beteiligung der TUM zufolge gibt es künftig kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse. © Fotos: Prof. Rupert Seidl / TUM

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