INTERNATIONALER HOLZMARKT Ausgabe 2020 | 05

Größter Tiroler Holzwohnbau in Kufstein Gestreut und nicht gespült Im Rahmen des Interreg-Projekts BIGWOOD organsierte proHolz Tirol im August eine Besichtigung der Baustelle des bislang größten Tiroler Holzwohnbaus in der Festungsstadt Kufstein mit 34 Wohnungen auf fünf Geschossen. Mit seinen hölzernen, mobilen Komposttoiletten revolutioniert das Wolkersdorfer Startup öKlo die Sanitäranlagen im öffentlichen Bereich. Bei einer „Live-Kompostierung“ Anfang August bewies öKlo-Gründer Niko Bogianzidis, gemeinsam mit Erwin Binner vom Institut für Abfallwirtschaft der BOKU Wien, warum seinen TÜV zertifizierten und zu 100 Prozent chemiefreien Gemeinde-Toiletten die Zukunft gehört. D erzeit setzt sich proHolz Tirol intensiv mit den Möglichkeiten des großvolumigen Holzbaus im Rahmen der zwei internationalen EU-Projekte BIGWOOD (Interreg Italien-Österreich) und Build- in-Wood (Horizon 2020) auseinander. Fakt ist: Mehr Holzbau kommt den aktuellen globalen Klimazielen sehr entgegen. Um ausgewählten Teilnehmern aus Architektur, Planung und Ausbildung sowie Vertretern von Bau- trägern und politischen Mandataren den Holzbau- prozess an einem realen mehrgeschossigen Bei- spiel vorzustellen, organisierte proHolz Tirol eine Führung durch die Baustelle. Die Exkursion wurde von proHolz Tirol-Vorsitzendem Karl Schafferer und Geschäftsführer Rüdiger Lex moderiert. Das großvolumige Projekt „Naturquartier Weiß- ache“ vereint die positiven Aspekte des natürlichen Baustoffes Holz und zeigt beispielhaft, wie man nachhaltiges Bauen erfolgreich umsetzen kann. „Das fünfstöckige Gebäude mit 34 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe – von klei- G anz ohne Chemie, „gespült“ wird mit Sägespänen und am Schluss entsteht wertvoller Kompost statt giftigem Klärschlamm: Vor prominentem Publikum, wie Investor Hans Peter Haselsteiner, Landtagsabgeordnetem Kurt Hackl, dem Bürgermeister von Wolkersdorf, Dominic Litzka, sowie Klaus Mlekus und Gerhard Eichinger vom TÜV Austria, zeigte öKlo-Gründer Niko Bogianzidis, warum seine hölzernen und mobilen „öKlos“ das Potenzial haben, die Welt der öffentlichen Toiletten auf den Kopf zu stellen. „Unser Ziel ist es, Stoffkreisläufe zu schließen und unnötige Umweltbelastungen zu ver- meiden, wie sie zum Beispiel bei chemischen Toiletten unumgänglich sind. Da wir statt wertvollem Wasser Sägespäne verwenden und letztendlich kein gifti- ger Klärschlamm, sondern wertvoller Kompost entsteht, sind wir zuversicht- lich, dass nach Wolkersdorf noch viele weitere Gemeinden auf unser revolutio- näres und nachhaltiges Abfallsystem setzen werden. Dass unsere öKlos jetzt auch vom TÜV zertifiziert wurden, ist eine zusätzliche Bestätigung, dass es sich bei unseren Komposttoiletten nicht um die Idee von ein paar weltfremden Ökos, sondern um ein nachhaltiges Modell für die Zukunft handelt“, erklärt Niko Bogianzidis. nen Studios mit 24 Quadratmetern bis zu 135 Qua- dratmetern großen Penthouse-Appartements – wird zur Gänze in Massivholzbauweise realisiert und bietet den künftigen Bewohnern ein gesundes Raumklima“, führt der Geschäftsführer des Bau- trägers Unterberger Immobilien Mag. Josef Feicht- ner aus. Bei diesem Wohnbau wird der Baustoff Holz nicht nur zur Konstruktion des Gebäudes und für die Fassade verwendet, sondern auch im In- nenbereich – zum Teil sichtbar – im Decken- und Wandbereich eingesetzt. Nach der ausgiebigen Besichtigung in Kleingrup- pen trafen sich die Teilnehmer im geräumigen Ober- geschoß zu einem intensiven fachlichen Austausch über die Chancen und Herausforderungen des mehrgeschossigen Holzwohnbaus. „Die Potentiale hierfür sind enorm und vor allem in Tirol wo der Rohstoff in ausreichender Menge vor der Haustür wächst, wäre es logisch mehr davon in ökologischen und nach- haltigen Gebäuden zu verbauen“, so proHolz Tirol-Vorsitzender Karl Schafferer. Beindruckt von der Innovationskraft des jungen Unternehmens zeigte sich auch Investor Hans Peter Haselsteiner. „Das Produkt ist zeitgemäß und bietet gute Marktchancen. Mit dem Einsatz von öKlo vermeidet man den Einsatz von äu- ßerst umweltschädlichen Chemikalien, fördert die regionale Wertschöpfung und bietet eine sympathisch zeitgemäße Lösung für kleine und große Geschäfte“, so Haselsteiner, der bereits einige Baustellen der STRABAG mit öKlos „besetzt“ hat. Wie eine Komposttoilette in der Praxis funktioniert, demonstrierte das öKlo-Te- am vor Ort. Dabei wurden Fäkalien vermischt und der Kompostierungsprozess in Gang gesetzt. Der am Ende entstehende Kompost gilt aus hygienischer Sicht als unbedenklich, wie Erwin Binner, vom Institut für Abfallwirtschaft der BOKU Wien, in der Zusammenfassung seines „Kompostberichts“ erklärt. (oeklo) Das 5-stöckige Holzbauprojekt „Naturquartier Weißache“ in Kufstein befindet sich derzeit im Bau. 20 Holzarchitektur ©renderwerk.at Hans Peter Haselsteiner Niko Bogianzidis Investor Hans Peter Haselsteiner mit öKlo-Gründer Niko Bogianzidis www.holzmarkt-online.at 5/2020 © Fotos: öklo

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