UmweltJournal Ausgabe 2019 | 03

14 UmweltJournal /Mai 2019 R EC YCL I NG | ENTSORGUNG Neuerungen im Zuge der Novelle der Recyclingholzverordnung Was tun mit Holzabfällen? Auch wenn der stofflichen und energetischen Nutzung von Holzabfällen aus abfallwirtschaftlicher Sicht Vorrang zu geben ist, erfordert der korrekte und rechtskonforme Umgang mit Holzabfällen die Beachtung abfallrechtlicher Rahmenbedingungen. Insbesondere sind dies Fragen des Zutreffens und Endens des Abfallbegriffs mit allen daraus resultierenden abfallrechtlichen Konsequenzen. Holzabfällen im Rahmen einer Produktion oder als Biomasse- brennstoff zum Beispiel in Bio- massefeuerungsanlagen liegt in der Abfallendedeklaration für die betreffenden Holzabfälle. Sowohl die Recyclingholzver- ordnung als auch die Abfallver- brennungsverordnung bieten hier die Möglichkeit durch Beurteilungsnachweise auf Ba- sis analytischer Untersuchun- gen und unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne analytische Untersuchungen das Abfallende zu erklären. Wesentlich ist hier, dass Holz- abfälle, für die auf Basis der Ab- fallverbrennungsverordnung das Abfallende erklärt wurde, auch vom Recyclinggebot nach Recyclingholzverordnung aus- genommen sind. Nachfolgend soll die Abfallendedeklaration auf Basis der Abfallverbren- nungsverordnung sowie deren Relevanz etwas detaillierter dargestellt werden. Eine Nutzung abfallbasier- ter Biobrennstoffpotentiale ist in Anlagen ohne abfallrecht- liche Betriebsgenehmigung, wie dies im Regelfall bei Biomasseanlagen zur Nah- und Fernwärmeversorgung im ländlichen Raum der Fall ist, nur möglich, wenn für diese sogenannten Ersatzbrennstoffe vorher das Abfallende erklärt wurde und für deren weitere Behandlung oder Nutzung da- her die Einhaltung abfallrechtli- cher Bestimmungen (Aufzeich- nungs- und Meldepflichten, Beweissicherung hinsichtlich der Emissionen … ) nicht mehr erforderlich ist. Die recht- liche Basis für eine Abfallende- deklaration von energetisch zu nutzenden Abfällen bildet die Abfallverbrennungsverordnung (AVV, BGBl.I Nr.127/2013), die damit Wege einer rechts- konformen energetischen Nut- zung dieser Biobrennstoff- potentiale im Gegensatz zur in der Vergangenheit und teils auch noch in der Gegenwart praktizierten nicht rechtskon- formen Verwertung dieser Abfälle eröffnet. Diese Ver- ordnung definiert abhängig von der Abfallherkunft und Abfallqualität unterschiedliche Möglichkeiten das Abfallen- de zu erklären. Während für rein mechanisch behandelte Holzabfälle, die am Anfallsort getrennt erfasst werden, (wie zum Beispiel Palettenholz, rein Autor: A.M. Ragoßnig RM Umweltkonsulenten ZT GmbH mechanisch behandeltem am Anfallsort getrennt erfassten Holzabfällen aus Abbrüchen oder im Rahmen einer Pro- duktion anfallende Stäube oder Sägespäne) keine chemisch analytischen Nachweise für die Abfallendedeklaration erforder- lich sind, wurde für Baum- und Strauchschnitt sowie Hack- schnitzel aus Wurzelstöcken ein vereinfachtes Verfahren mit geringem chemisch-ana- lytischen Aufwand – jedoch auf Basis von durch befugte Fachpersonen oder Fachan- stalten durchzuführende Probe- nahmen – definiert. Dieses soll sicherstellen, dass es sich bei dem Brennstoff, für den das Abfallende erklärt wird, um einen qualitativ hochwertigen Brennstoff handelt. Für andere abfallbasierte Holzbrennstoffe, wo keines der vereinfachten Verfahren anwendbar ist, kann bei Einhaltung von Grenzwer- ten auf Basis der chemischen Analytik von Proben, die nach einem den Vorgaben ent- sprechenden Probenahmeplan genommen wurden, ebenfalls das Abfallende erklärt werden. ≥50 Kilowatt Leistung, ≤20 mg/m³ Staub Der Abfallbesitzer (Industriebe- trieb im Falle von Produktions- abfällen, Baufirma im Falle von Wurzelstöcken und Bau- und Abbruchholz beziehungsweise Kraftwerksbetreiber im Falle von Rechengut oder jeweils durch diese Abfallersterzeuger und Abfallbesitzer beauftragte Abfallbehandler, die diese Ab- fälle übernehmen) kann das Abfallende gegebenenfalls mit Unterstützung einer befugten Fachanstalt erklären. Er muss einmal pro Jahr (bis 10. April des Folgejahres) dem Bundesminis- terium für Nachhaltigkeit und Tourismus die Art und Menge der Ersatzbrennstoffe sowie den Abnehmer und – sofern nach den Bestimmungen der Abfall- verbrennungsverordnung er- forderlich – auch Ergebnisse der externen Überwachung melden. Wesentlich ist, dass jene Er- satzbrennstoffe, für die auf Basis der Abfallverbrennungsverord- nung das Abfallende erklärt wurde, bestimmungsgemäß in Feuerungsanlagen mit einer Nennwärmeleistung von min- destens 50 Kilowatt beziehungs- weise einem Staubgrenzwert von maximal 20 Milligramm pro Kubikmeter als Brennstoff verwendet werden. Sollten diese Kriterien der bestimmungs- gemäßen Verwendung nicht eingehaltenwerden, trittdas Ab- fallende für den abfallbasierten Brennstoff nicht ein und der Ab- fallbesitzer würde in diesem Fall seine abfallrechtlich definierten Pflichten verletzen. Fazit: Entscheidung bei Abfallbesitzer Während abfallrechtliche Be- stimmungen auch im Bereich von holzbasierten Materialien weitreichende Auswirkungen auf den Umgang und die rechts- konforme Verwertung von Holzabfällen haben, bieten sowohl die kürzlich novellier- te Recyclingholzverordnung als auch die Abfallverbren- nungsverordnung verschiedene Möglichkeiten der Abfallen- dedeklaration. Abhängig von Art und Herkunft der Holz- abfälle sind unterschiedliche Wege zu beschreiten um die Holzabfälle als Recyclingholz- produkt oder Ersatzbrennstoff- produkt rechtskonform einer Verwertung zuzuführen. Trotz dem in der Recyclingholzver- ordnung festgelegtem Recy- clinggebot liegt im Fall einer Abfallendedeklaration die Ent- scheidung ob Holzabfälle stoff- lich oder energetisch genutzt werden sollen in der Hand des Abfallbesitzers. H olz oder Biomasse … Wo beginnt also der Abfallbegriff? Neben Produktionsabfällen, die aus reinem Holz bestehen, sind vor allem auch am An- fallsort getrennt gesammelte Paletten hochwertige Holzab- fälle, die für eine stoffliche oder energetische Nutzung bestens geeignet sind (Anmerkung: sie- he Abbildung 1). Eine weitere wesentliche Gruppe der in Frage kommen- den Holzabfälle sind Abfälle aus dem Bau- und Abbruchbereich, Wurzelstöcke sowie Baum- und Strauchschnitt (Anmerkung: siehe Abbildung 2). Für letztge- nanntewurdekürzlichseitensdes Bundesministeriums für Nach- haltigkeit und Tourismus klar- gestellt, dass auf Basis geltender abfallrechtlicher Bestimmungen jedenfallsderAbfallbegriffzutrifft und somit auch abfallrechtliche Regelungen greifen. Auch wenn im Zusammenhang mit einer aktuell diskutierten möglichen Änderung der Definition des Be- griffs des Abfallersterzeugers die Berücksichtigung der beabsich- tigten Nutzung des Baum- und Strauchschnitts gegebenenfalls Erleichterungen hinsichtlich des Zutreffens des Abfallbegriffs mit sich bringen könnte, soll nachfol- gend auch dieser Art des Holzab- falls Raumgegebenwerden. Mit dem Inkrafttreten der Novelle der Recyclingholzver- ordnung Anfang 2019 ergeben sich mit dem Erfordernis der Quellensortierung sowie dem Recyclinggebot einige wesent- liche Neuerungen in Hinblick auf den korrekten Umgang mit Holzabfällen. Wichtig ist hier insbesondere im Fall von Ab- brucharbeiten oder im Rahmen von Sammelstellen eine ge- trennte Erfassung von stofflich zu verwertenden, thermisch zu behandelndem sowie als gefähr- lich einzustufenden Holzabfällen vorzunehmen. Ein vom ÖWAV herausgegebener Sortierleitfaden für Holzabfälle bietet hierzu eine wertvolleHilfestellung. Abfallende …wo hört der Abfallbegriff auf? Eine Möglichkeit des rechts- konformen Einsatzes von Abbildung 1: Beispiele von Holzabfällen, für die das Abfallende deklariert werden kann: (a) – c) Rückstände aus der industriellen Produktion, rein mechanisch behandelte Holzabfälle; d) – e) am Anfallsort getrennt erfasstes Palettenholz; f) Rückstand aus Produktionsprozess - Biomasse-Briketts). Abbildung 2: Baum und Strauchschnitt vor (links) und nach (rechts) der Aufbereitung zu einem hochwertigen Biomassebrennstoff. Grafiken/Fotos: privat Unsere Leidenschaft: Ingenieurdienstleistungen für Umweltschutz mit Mehrwert. Frohnleiten | Wien | St. Veit a. d. Glan office@umweltkonsulenten.at | umweltkonsulenten.at

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