UmweltJournal Ausgabe 2019 | 03

18 UmweltJournal /Mai 2019 Industrielle Abwasseraufbereitung mit Vakuumdestillationsanlage Aus teurem Abwasser wird recycelbares Destillat Befreiung von abwasserbedingten Einschränkungen: SIKA installiert eine Clearcat-Vakuumdestillationsanlage. A BWA S S E RT ECHNOLOG I E Analyse unterzogen. In die kom- munale Kläranlage dürfen dabei nur Abwässer geleitet werden, deren Verunreinigungen gewisse Grenzwerte nicht überschreiten. Als letztes Mittel müssen nicht konforme Destillate in einer speziellen Aufbereitungsanlage entsorgt werden, was einen sehr kostspieligenVorgang darstellt. Beginn des Projekts Nach einem Besuch des H 2 O- Stands auf der Pollutec-Messe meldete SIKAFrankreich seinen Bedarf für die H 2 O-Technologie an. Bei der Suche nach einem Ersatz für die alternden Vaku- umdestillationsanlagen mussten mehrere Kriterien berücksichtigt werden. So sollte das Destillat im Hinblick auf eine abwasserfreie Produktion teilweise wieder- verwendbar bleiben. Auch eine Beständigkeit gegen durch Chlo- ride verursachte Korrosion war erwünscht. Zuletzt sollten die Abwässer natürlich konform mit der Verordnung der Verwaltung und den von der kommunalen Kläranlage auferlegten Grenz- werten bleiben. Das SIKA-Projektteam hat einPflichtenheftentworfen:Hier wurde die erforderliche Qualität des Destillats bei seiner Wieder- aufbereitung festgelegt, um sich dieMöglichkeitderAufbereitung in einer kommunalen Kläranlage offen zu halten. Vacudest 4.500 Clearcat als Lösung Danach wurden zahlreiche Untersuchungsschritte durch- geführt: Zuerst wurde der Ab- wasserstrom und die entspre- chenden Volumina eingehend untersucht und eine Liste der verwendeten Produkte (Ligno- sulfonate, Carboxylate, Glucona- teundPolymere) erstellt. Bei die- sem grundlegenden Teilaspekt kann eine Bilanz erstellt werden und gegebenenfalls kritische Pro- dukte oder Ströme können iso- liert betrachtet werden. Danach führteH 2 OLabortests durch, um die Aussagekraft der Gruppie- rungen zu bestimmen. Bei die- sem Test wurde festgestellt, dass die Abwässer Chloride enthiel- ten, die für die Korrosion der be- stehenden Vakuumdestillations- anlagen verantwortlich waren. Es musste somit ein spezielles korrosionsbeständiges Material verwendet werden: Uranus B6. Letztlich wurden unter ande- rem die erforderlichen Nachbe- handlungen des Destillats festge- legt,umdiegeforderteQualitätzu erreichen: Gemäß den im Labor durchgeführten Tests des Destil- lats war keine Nachbehandlung erforderlich, um die Abwasser- Grenzwerte einzuhalten. Für die Recycling-Lösungmusste jedoch dasDestillatdurchAktivkohlege- leitet werden, um den Rest-CSB zu beseitigen. Schließlich entsprach eine Vakuumdestillationsanlage des TypsVacudest4.500Clearcatden Anforderungen, die bis zu Kubik- meterproTagmiteinemVerdich- tungsfaktor von 20 – mit anderen Worten auf fünf Prozent verdich- tet – behandeln kann. SIKAwähl- te diese Lösung mit dem Ziel der „abwasserfreie Produktion“, erspart sich die Weiterleitung sei- ner Abwässer in die kommunale Kläranlage und befreit sich von jeglicher Auflage einer Abwasser- kontrolle.Außerdemführtenauch der einfache und automatisierte Betrieb des neuen Systems und die ressourcenarme Wartung zu dieserEntscheidung. Funktionsweise und erste Resultate Nach zwei Jahren Betrieb der Vakuumdestillationsanlage kön- nen befriedigende Resultate beobachtet werden. Fabrice Montier, Umwelt- und Energie- beauftragter bei SIKA, erklärt: „Wir können das Destillat nun recyceln, weil seine Qualität dies ermöglicht. Während der ersten zwei Jahre haben wir lediglich 160 Tonnen Konzen- trat verarbeitet, das entspricht einer Aufbereitungskapazität von 3.500 Tonnen. Die Amortisation der Vakuumdestillationsanlage liegt also insgesamt unter zwei- einhalb Jahren.“ SIKAbestätigtdamit,dassdie Vacudest für das Unternehmen die richtige Wahl war. Die An- lage wurde zudem von der Was- serbehörde Seine-Normandie in Form einer 40-prozentigen Subvention finanziert. Schon der Vergleich mit bloßem Auge des Destillats aus einem herkömmlichen Vakuumverdampfer mit jenem aus einer Vacudest-Anlage mit der Option Clearcat zeigt, dass der in den Clearcat integrierte Ölabscheider einen wahren Qualitätsschub hinsichtlich der aufbereiteten Abwässer bringt. D as SIKA-Werk in Gour- nay-en-Bray, im franzö- sischen Département Seine-Maritime, fertigt als Toch- terdesSchweizerKonzernsSIKA AG hauptsächlich Betonzusätze und Dichtstoffe. Diese Produkte werden in der Baubranche einge- setzt. Bei derHerstellung fälltAb- wasser an, das für die Entsorgung in einer kommunalen Kläranlage manchmal noch zu hohe Ver- unreinigungswerte aufweist. Der wichtigste betroffene Wert ist dabei der chemische Sauerstoff- bedarf (CSB). Da sich die bestehenden Ab- wasseraufbereitungsanlagen be- reits dem Ende ihrer Lebensdau- er näherten, hat SIKAFrankreich beschlossen, sie durch eineVaku- umdestillationsanlage der Firma H 2 O der jüngsten Generation zu ersetzen. Sie beinhaltet die neus- ten technischenEntwicklungen. Die Vorgeschichte Der Fertigungsablauf am SIKA- Standort in Gournay-en-Bray erfolgt in großen Wannen, wo Autor: Dipl.-Ing. Laurent Dumas H 2 O GmbH die einzelnen Reagenzien bei- gemengt werden. Bevor die Wannen von einer Herstellung zur nächsten wandern, müssen sie gereinigt und mit Wasser gespült werden. Dieses Wasch- wasser wird anschließend bis zu seiner Aufbereitung in großen Behältern gelagert. Es beinhaltet verschiedene Schadstoffe, wie zum Beispiel Kohlenwasserstof- fe, Salze, Tenside und so weiter. Bis dato erfolgte die Wieder- aufbereitung des Wassers durch Verdampfungskonzentration mit Geräten aus demJahre 2001. Das gereinigte Wasser, auch Destillat genannt,wurdezwischengelagert, bevor es zur kommunalen bio- logischen Station weitergeleitet wurde. Gemäß der Vereinbarung mit der Gemeinde Gournay- en-Bray werden die Abwässer regelmäßig kontrolliert und einer Vacutouch-Maschinensteuerung. Optimale Verfügbarkeit und kompletter Systemkomfort. Die Clearcat Vakuumdestillationsanlage bei SIKAFrankreich in Gournay-en-Bray für die Aufbereitung der industriellen Abwässer vor Ort. Fotos: H2O, Sika

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