UmweltJournal Ausgabe 2019 | 03

Mai 2019/ UmweltJournal 5 BioKompass-Zukunftsbilder zeigen: Wie leben wir in der Bioökonomie der Zukunft? U m herauszufinden, wie das Leben in der Bio- ökonomie der Zukunft aussehen könnte, erkundeten über 50Teilnehmende bei einem Zukunftsdialog im Senckenberg NaturmuseuminFrankfurtunter- schiedliche Zukunftsszenarien. Diese Szenarien wurden zuvor unter Leitung des Fraunhofer ISI mit Experten entwickelt. Im Zu- kunftsdialog haben sich die Teil- nehmernuntypischeAlltagssitua- tionen imLeben einesMenschen im Jahr 2040 vorgestellt und sind mittels der Storytelling-Methode in unterschiedliche Zukünfte einer Bioökonomie eingetaucht. Die vier Zukunftsbilder und Alltagsgeschichten zeigen kon- kret und leicht verständlich auf, wie sich der Alltag durch eine Bioökonomie verändern kann und regenzumNachdenkenüber alternative Zukunftswelten an. SimoneKimpeler, die das Projekt BioKompass am Fraunhofer ISI leitet, unterstreicht dabei: „Es ist wichtig, Bürger und vor allem Jugendliche frühzeitig in die Ent- wicklung von Zukunftsvorstel- lungen über eine Bioökonomie einzubinden und damit die Mög- lichkeiten der Mitgestaltung der eigenenZukunftaufzuzeigen.Wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs darüber, welche Bioöko- nomie wir uns wünschen, wie wir Nachhaltigkeit sicherstellen kön- nen und wie wir unser Konsum- verhaltendafür ändernwollen.“ Von Kuh-Sharing bis Unkraut-Drohnen So beschreibt zum Beispiel ein Zukunftsbild, wie Oda (23) mit ihrem genügsamen Lebensstil eineBioökonomiefördert,derdie GrenzendesPlaneten respektiert. Sie bezieht Bio-Milch und -Käse aus ihrem „Kuh-Sharing“, betei- ligt sich über Mitgliedsbeiträge und Solidarpreise am Geschäfts- risiko der regionalen Landwirte, muss aber auf exotisches Obst undGemüse verzichten. In einem anderen Zukunfts- bildgehtesumBeate(50),dieZu- hause mit ihremHeimbioreaktor experimentiert und damit einen Teil ihrer Lebensmittel selbst herstellt. Trotz ihrer Technikbe- geisterung ist ihre Wohnung eine wilde Mischung aus High-Tech, Holz und biobasierten Materia- lien - Hauptsache recycel- oder kompostierbar und langlebig. Auch der fiktive Alltag eines Chemiefacharbeiters im Jahr 2040 und der einer Bio-Land- wirtin wurden im Zukunftsdialog beschrieben. Letztere trinkt mit ihrer Freundin gerne Löwenzahn- Kaffee und behält dabei über ein Display ihren landwirtschaftlichen BetriebimBlick.Nichtsie,sondern DrohnenentfernendasUnkraut. DieveröffentlichtenZukunfts- geschichten dienen als Anregung, sich selbst ein Bild von alternati- ven Ausprägungen einer Bioöko- nomie der Zukunft zu machen. Sie rufen ins Bewusstsein, wie unterschiedlich die Bioökonomie ausgestaltet werden kann und wie sehr eigene Konsum- und Lebensweisen das beeinflussen. Elna Schirrmeister vom Fraun- hofer ISI betont: „Keines unserer Zukunftsbilder beschreibt eine rosarote Bioökonomie, es gibt in jedem Szenario auch Annahmen, die kritisch diskutiert werden. Während des Zukunftsdialogs wurde deutlich, dass sich die individuellen Bewertungen, wie wünschenswert ein Zukunftsbild ist, erheblichunterscheiden.“ Projekt BioKompass Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Umwelt- verschmutzung und Digitalisie- rung ist ein Umdenken in allen Teilbereichen der Gesellschaft notwendig. Die Entwicklung zu einer biobasierten Wirtschafts- weise könnte dazu beitragen, ihre konkreteAusgestaltung ist jedoch noch offen. Die gesellschaftliche Beteiligung an diesem Transfor- mationsprozess der Wirtschaft wird im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Pro- jekt BioKompass durch unter- schiedliche Methoden angeregt. Dazu gehören partizipative Sze- narienentwicklung, interaktive Ausstellungsformate imSencken- berg Naturmuseum sowie Semi- narkurse fürOberstufenschüler. Das Fraunhofer ISI ist ver- antwortlich für die Gesamtko- ordination und leitet das Teil- projekt „Zukunftsvorstellungen Bioökonomie“. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) wird die Ergebnisse der Zukunftsdialoge imProjektverlauf für den Museumsbereich in di- versen Medienformaten, Ausstel- lungsexponaten und Unterrichts- materialien weiterentwickeln. Mobile Recycling- maschinen Komplettlösungen aus einer Hand +49 4407 9133-0 sales@f-e.de | f-e.de Bioökonomie – Ziele&Widersprüche DI Rupert Christian Umweltmanagement W egendesKlimawandelsmüssenwir alle fossilenRessourcendurchErneuerbare ersetzen. Eine Entwicklung zur Kreis- laufwirtschaft ist einGebot der Nachhaltigkeit. Zu beiden Zielen soll die österreichische Bio- ökonomiestrategie beitragen. In der Abbildung sind die insgesamt sechs strategischen Zielfelder der Bioökonomiestrategie dargestellt. „erneuerbaren“ Strom erzeugte Gase (H2, CH4). Damit soll die aktuelle Gasinfrastruktur aufrecht- erhalten werden. Wir haben aber weder genug erneuerbaren Strom noch ausreichend Biogas um damit Erdgas 1:1 zu ersetzen – und zwar schon gar nicht, wenn im (guten!) Sinne der Bioökonomie- strategie fossile Ausgangsstoffe durch biogene er- setzt werden. Es kann nicht Ziel der Bioökonomie- Abbildung 1: Strategische Zielfelder der österreichischen Bioökonomiestrategie Quelle: Bioökonomiestrategie Die Bioökonomiestrategie enthält gute Ansätze undVorhaben. So sollen beispielsweise die Sus- tainableDevelopment Goals, Ressourceneffizienz undweitere ökologischeKriterien durchgängig be- rücksichtigt werden. Angestrebt werdenKaskade, Fraktionierung undKreislaufführung – jeweilsmit thermischerNutzung als letzter Stufe. AuchAus- undWeiterbildung spielen einewich- tige Rolle, nicht nur beruflich. Das Verhalten der Konsumenten soll von Kaufentscheidungen (bis hin zu Suffizienz) bis zu höheren Sammelquoten beeinflusst werden. EinanderesZielistdieErhöhungderSanierungs- quote von Gebäuden auf zwei Prozent. Dazu sollen die biogenen Rohstoffe als Dämmmaterial einen Beitrag leisten. Da land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen – ganz im Sinne einer Bioökonomiestrategie – als Rohstoffquellen betrachtet werden, will die Strategie auchder stetigenVersiegelungEinhalt gebieten. Teilweise ist die Bioökonomiestrategie aber auch widersprüchlich. So wird etwa darauf hinge- wiesen, dass der Transport von Biomasse – wegen des hohen Wassergehalts – ein Kostenfaktor ist. Gleichzeitig geht man davon aus, dass Importe nö- tig sein werden, und zwar nicht nur von Früchten, Fischen et cetera, sondern auch von Rohstoffen für überregional große Anlagen beispielsweise zur Ethanol-Gewinnung. Ein besonders aktueller Punkt ist „Greening the Gas“, also die Produktion synthetischer, durch Nachhaltige gesellschaftliche Transformation fördern Erreichung der Klimaziele Arbeitsplätze sichern und schaffen Wirtschaftliche Entwicklung fördern Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Rohstoffen reduzieren Innovation fördern Strategie Maßnahmen Bioökonomie strategie sein, die österreichischen Potenziale ohne Rücksicht auf ökologische und sozialeAspekte aus- zuschöpfen oder gar Raubbau zu betreiben – nur umdann festzustellen, dass wir erst wieder import- abhängig sind. „Grünes“ Gas ist zu kostbar, um es für Raumwärme oderMIV zu verwenden. Die angestrebte Steigerung der Erträge birgt die Gefahr nicht nachhaltiger Vorgehenswei- sen – von Monokulturen und Kurzumtrieb über verstärkten Einsatz von Chemie bis hin zur Gen- technik – auch aus Sicht des Umwelt- und Natur- schutzes ist das strikt abzulehnen. Beunruhigend ist in dieser Hinsicht auch, dass der Klimawandel negative Auswirkungen auf die Biomasseerträge haben wird. Die Bioökonomiestrategie ist demnach eine Sammlung von generellen Zielen. Was fehlt, sind konkreteMaßnahmenundInstrumente,mitdenen dieseZieleerreichtwerdensollen.UndeinZeitplan zur Umsetzung. Immerhin verweist die Bioökonomiestrategie auf den „Nationalen Aktionsplan Bioökonomie“, mit dessen Erstellung Anfang 2019 begonnen wer- den sollte. Der Aktionsplan soll die Implementie- rung der identifizierten Themen schnellstmöglich vorantreiben. Vielleicht entpuppt sich dieser ja tat- sächlich als eine Strategie. DI Rupert Christian UmweltManagement Austria office@uma.or.at Wie leben, wohnen oder ernähren wir uns zukünftig in einer nicht mehr auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschaft? Dies diskutierten Experten aus Industrie und Forschung zusammen mit Jugendlichen beim zweiten BioKompass-Zukunftsdialog im Herbst vergangenen Jahres im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. Daraus sind die BioKompass-Zukunftsbilder entstanden, die mögliche Varianten des Alltags in einer Bioökonomie des Jahres 2040 beschreiben. Foto: Fraunhofer, BioKompass ZAPPAR HOLEN PDF ansehen B I OÖKONOM I E

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