UmweltJournal Ausgabe 2019 | 03

AUS DEM INHALT Bauwirtschaft dazugerechnet werden, wenn hier die Nutzung nachwachsender Ressourcen steigt. Grundsätzlich geht es also um eine effiziente und nachhal- tige Verwendung biogener Roh- stoffe, die vielfältig nutzbareOp- tionen mit sich bringt. Wie aber kann eine so umfassende Art des Wirtschaftens auf ökologischer Basis umgesetzt werden? Ziel: dekarbonisierte Gesellschaft Die Bioökonomiestrategie der österreichischen Bundesregie- rung versucht diese Frage zu beantworten; und sie wurde im März imMinisterrat beschlossen. BisHerbst 2019wirdnuneinAk- tionsplanerarbeitet.DieStrategie richtet sich an alle relevanten Akteure in diesem Bereich: An Land- und forstwirtschaftliche Produzierenden, Abfallentsor- genden, verarbeitende Industrie und ganz besonders an Handel und Konsumenten, die von den Vorteilen der biobasierten Pro- dukte profitieren. Sie zeigtHand- lungsfelder auf, in denen nun konkreteMaßnahmen zur weite- ren Etablierung der biobasierten Wirtschaft in Österreich mit den betroffenen Wirtschaftszweigen diskutiert und zusammengefasst werden sollen. „Bis 2050 wollen wir eine weitgehend dekarbo- nisierte Gesellschaft erreichen. Die Bioökonomiestrategie wird uns den Weg zeigen“, so Nach- haltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger dazu. Es soll ein bio- basierter Wirtschaftskreislauf angestrebt werden, der sich am natürlichen Stoffkreislauf orien- tiert und der „Technologie und Ökologie in Einklang bringt“, so Köstinger. Die Ziele reichen von der „Reduktionder Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Roh- stoffen“ über die „Förderung von Innovation und wirtschaftlicher Entwicklung“ bis zur „Förde- rung nachhaltiger gesellschaft- licher Transformation“. Rund 2.000ExpertenausWissenschaft, Forschung undWirtschaft haben an dieser Strategie gearbeitet und sich mittels Online-Konsultatio- nen beteiligt. Die Reaktionen auf das Stra- tegiepapier fielen dennoch sehr unterschiedlich aus. Lob gab es etwa von Seiten der Land- und Schlaue Mülltonnen und Wertstoff- scanner: Seit einem halben Jahr läuft der Testbetrieb der neuesten Sauber- macher-Innovationen. Mülltonnen ausgestattet mit Hightech-Sensoren und Brandmeldefunktion sowie Scanner an Müllsammelfahrzeugen sollen garantieren, dass der Fehlwurfanteil bei Restmüll mit derzeit rund 70 Prozent sinkt. Im UmweltJournal-Interview informiert Ralf Mittermayr, Sprecher des Vorstands bei Sauber- macher, über technische Details und erste Feedbacks aus den Test-Gemeinden. Der Testbetrieb läuft noch bis Juni. Seite 7 Auch wenn der Nutzung von Holzabfällen aus abfallwirtschaft- licher Sicht Vorrang zu geben ist, erfordert der rechtskonforme Umgang mit Holzabfällen die Beachtung abfallrechtlicher Rah- menbedingungen. Insbesondere sind dies Fragen des Zutreffens und Endens des Abfallbegriffs mit allen daraus resultierenden abfallrechtlichen Konsequenzen. Arne Ragossnig zeigt die wich- tigsten Paradigmen auf. Seite 14 (Anm.d.Red.: Der avisierte Themenschwerpunkt „Phosphorrecycling“ wurde verschoben.) STANDPUNKT Die SaudischeBombe Der staatliche saudische Ölkonzern Aramco will Geld aufneh- men und dafür braucht es einen „Prospekt“ für die Anleger. Das Interesse an diesemProspekt ist sehr groß, daman sich erhoffte, einige bisher wohl gehütete Staatsgeheimnisse zu erfahren. Nachdem sich SA nun zwei Jahre lang geziert hat, liegt der Pros- pekt nun vor und es finden sich wahrlich Augen öffnende Infor- mationendarin. Die „Bombe“ ist aber, dass das größteÖlfeldder Welt, Ghawar, statt wie bisher behauptet/geschätzt nicht über 5,5Millionen Fässer Öl proTag (mbpd) liefert sondern nur 3,8. Das muss man einordnen. Die globale Förderung liegt bei rund 85 mbpd. Die Menge, die die OPEC durch Förderkürzungen zurückhält und damit die Preise von 40USDauf 70USDgetrie- ben hat, liegt bei ein bis zwei mbpd. Saudi Arabien fördert rund zehn mbpd. Das heißt, dass das größte Ölfeld der Erde das Pro- duktionsmaximum hinter sich hat - wahrscheinlich sogar schon seit 2005. Das wird auch für die anderen Super-Giganten Felder gelten.Das ist per sekeine echteÜberraschungbeiÖlfeldern, die über 70 Jahre alt sind. Aber SA hat bisher immer das Gegenteil behauptet – und „alle“ haben es geglaubt. Im letzten Artikel habe ich berichtet, dass das Produktionsmaxi- mumvonUS-Schieferölmitcirca2020inSichtweitekommt.Nun kann auch Saudi Arabiendie Produktionnichtmehr ausweiten. Wohin steigendeÖlpreise führen, noch dazu inKombinationmit einer nachlassendenWeltkonjunktur, wissen wir. Darüber hinaus hängt die Vormachtstellung des US-Dollar am Saudi-Arabischen Öl. Hier beginnen geostrategische Tektonikverschiebungen, die man mit freien Auge sehen kann: USA verurteilen SA im Fall Khashoggi, die Veröffentlichung von 911Dokumenten wird wie- der angedroht, NOPEC ist wieder am Tableau. Bis vor kurzem haben die USA nichts über ihren wichtigsten Verbündeten kom- men lassen. Jetzt müssen wir uns gut anschnallen – ambesten im E-Auto undmit PV-Anlage amHausdach. Mag. PatrickWagenhofer, MSc pw@wagenhofer-ee.com U M W E L T T E C H N I K • E N E R G I E • A B F A L L W I R T S C H A F T Retouren an Postfach 555, 1008 Wien | Österreichische Post AG | SCIAM Fachmedien GmbH & Co KG, Geblergasse 95, 1170 Wien | Zulassungsnummer: MZ 02Z030100 M P. B . B . V E R L AG S PO STAMT A - 1 1 7 0 W I E N SE I T 1994 | MA I 2019 – AUSGABE 3 | E INZELPRE I S : EURO 4 , 50 , - Th e ma d i e s e r Au s g a b e : B IOÖKONOMI E Erika Ganglberger Die Bioökonomie braucht gesellschaftliche Veränderung und die Umstellung von Konsummustern. Seite 4 Rupert Christian Die Bioökonomiestrategie ist eine Sammlung genereller Ziele. Es fehlen konkrete Maßnahmen. Seite 5 Walter Kletzmayr Kreislaufwirtschaft klingt toll! Doch der Teufel steckt im Detail ... und im Begriff. Seite 13 Die Umstellung von fossilen auf biobasierte Rohstoffe ist ein bedeutender Baustein für die Erreichung von Klimaschutz- und Nachhaltigkeitszielen und sie wird unsere Lebenswelt weitreichend verändern. Wie diese Veränderungen aussehen, ist in vielen Bereichen noch nicht absehbar: Wie und was produzieren wir mit welchen biogenen Rohstoffen? Welche Produkte nutzen wir zukünftig, und wie verändert sich unser Konsumverhalten? Die Österreichische Bioökonomiestrategie versucht nun erste Antworten zu geben und die Realisierung einer Bioökonomie für Österreich anzustoßen. Doch reicht das Strategiepapier weit genug? Forstindustrie; so meinte bei- spielsweise Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschafts- kammer Österreich, dass die vorliegende Bioökonomie-Stra- tegie die Warenströme und die Zusammenarbeit zwischen den Branchen grundlegend verän- dern werde: „Ziel muss es sein, die Wertschöpfungstiefe der Rohstoffproduzenten weiter zu erhöhen“, soMoosbrugger. Vielen Experten aber reicht das Strategiepapier nicht weit beziehungsweise tief genug. Die Umwelt Management Austria betontetwa,dass„konkreteMaß- nahmen und Instrumente sowie ein Zeitplan zur Umsetzung“ fehlen (lesen Sie auf Seite 5). Es bleibt abzuwarten, ob der avisier- te Aktionsplan im Herbst diese Konkretisierung vornimmt. D erbewussteUmgangmit natürlichen Ressourcen zählt zu den großen Herausforderungen unserer Zeit, denn der Klimawandel, weitere globale Umweltbelastungen und die allgemeine Verknappung der Ressourcen sind eng mit der Nutzung nicht-erneuerbarer und fossiler Produktionsmittel ver- bunden. Immer häufiger wird zur Lösung vieler dieser Problembe- reiche die Idee einer Bioökono- mie in denRing geworfen. Was aber beschreibt dieses Konzept konkret? Bioökonomie umfasstineinersehrallgemeinen Definitiondas „Wirtschaftenmit biologischen Rohstoffen“. An- statt fossiler werden biogene Rohstoffe verwendet, wie Pflan- zen, Tiere, Bakterien und Algen. Biologischen Verfahren oder die technische Nutzung von Lebewesen (beispielsweise En- zyme in der Biotechnologie und Integration biologischer Funk- tionen in technische Systeme wie Prothesen) werden zu vor- herrschenden Wirtschafts- und Industrieprozessen entwickelt. Zur Bioökonomie gehören da- bei jetzt schon alle Sektoren, die Pflanzen, Tiere oderMikroorga- nismen produzieren, verarbei- ten oder nutzen. Dies sind zum Beispiel Land- und Forstwirt- schaft, Pflanzen- und Tierzucht, Lebensmittelindustrie, Chemie- und Pharmaindustrie, Papier-, Leder- und Textilherstellung. Künftig könnten aber auch Maschinenbau, Automobilbau, www.bt-austria.at Branchenplattform für Gebäudetechnik und integrale Planung. 18. bis 19. September 2019 Messe Wien ANMELDE- UNTERLAGEN Jetzt anfordern! bta@reedexpo.at Foto: iStock.com „Bioökonomiestrategie wird uns den Weg zeigen“ TERMINTIPP Fachdialog „Bioökonomie“: Alles nachhaltig!? Dienstag, 14. Mai 2019 (Beginn 18.30Uhr) Ort: NovumWienHauptbahnhof Karl-Popper-Straße 16, 1100Wien Veranstalter: UmweltManagement Austria Anmeldung (kostenlos): office[@ ]uma.or.at oder 01/216 41 20 Finden Sie das Strategiepapier und das dazugehörige Mission Statement hier im Zappar Link. ZAPPAR HOLEN Statement ZAPPAR HOLEN Strategiepapier

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