UmweltJournal Ausgabe 2019 | 05

10 UmweltJournal /September 2019 A B FA L L B EH AND LUNG , - V E RWE RTUNG Ejvind Pedersens Mission für eine bessere Recyclingindustrie: Die Vision der Closed-Loop-Produktion Ejvind Pedersen ist eine prominente Persönlichkeit in der Ressourcen-Industrie. Er verwandelt Müllverbrennungs- asche in reine Metallfraktionen mit Primärrohstoff-Qualität und beliefert den Automobilsektor mit recycelten Ressourcen. Feinkorn in der Rostasche so aufbereiten, dass die Metalle der Qualität von Primärrohstoffen gleich kommen – das hat Pedersen nun zum Unternehmer des Jahres in Dänemark gemacht. Jetzt sucht er Kooperationen, die seine Idee in der Welt weiterführen. I n den 1960er Jahren zog Ejvind Pedersens Vater nach Afrika – eine Entscheidung, die Ejvind Pedersen nach eigener Überzeugung zu dem gemacht hat, was er heute ist. Pedersenbe- schreibt es heute als Bereitschaft, Risiken einzugehenunddenMut aufzubringen,einesichereUmge- bungwieDänemark zu verlassen, um Chancen zu suchen und Er- fahrungen zu sammeln. Nach der Schule und zurück in Kopenhagen begann er seine berufliche Laufbahn in einem Unternehmender Rohstoffindus- triemitWerken inSüdamerika. Es folgten einige Jahre in Venezuela, Bolivien, Kolumbien und Peru als technischer Leiter von sechsWer- ken, in denen er zwei Aluminium- schmelzen für Getränkedosen (UBC) errichtete. Zu Beginn der Schulzeit seiner Kinder, kehrte Pedersen mit seiner Familie nach Dänemark zurück. Aus Fehlern lernen und der Vision folgen Der jungePedersenwarwährend seines Aufenthalts in Südamerika alles andere als stolz auf denUm- gang der Industrie mit der Um- welt unddenMenschen. Er fasste den Entschluss, eine moderne Technologie für eine bessere Ressourcen-Rückgewinnung zu entwickeln. Hierbei konzentrier- te er sich auf die Verarbeitung und Wiederverwendung von Metallen um den CO 2 Ausstoß zu verringern. 1989investiertePedersenacht MillionenEuroinDänemarkund baute eineAnlage zur Einschmel- ze gebrauchter Getränkedosen. Allerdings führte der Fall der Berliner Mauer und die wirt- schaftlichen Veränderungen zu drastisch sinkenden Preisen in der Metallindustrie. „Ich verlor alles“, erinnert er sich. 2002 be- gann Pedersen ein weiteres Mal ganz von vorne und baute Scan- metalsauf,dasUnternehmen,das er heute erfolgreich führt. „Sue (Anm.: seine erste Mitarbeiterin und seither im Unternehmen beschäftigt) und ich begannen damit, Nichteisenmetalle von Hand zu sortieren.“ Auf diesem Weg schaffte es Scanmetals zu- rück in die Gewinnzone. Zwar hatte auchScanmetalsmit der Fi- nanzkrise 2008 zu kämpfen, aber diesmal überwand Pedersen die Krise mit Durchhaltevermögen und Entschlossenheit. „Steinert war zur Stelle, als ich eine Lö- sung brauchte, und vermietete mir seine Röntgen-(XRT)-Sor- tiermaschine zur Herstellung sauberer Aluminiumprodukte“, erklärt Pedersen. Damit war der Grundstein für seine finanzielle Unabhängigkeitgelegt,dieesihm ermöglichte,seineVisioneuropa- weit zu verbreiten. Inzwischen gibt es dankPedersens Erfolg vie- le unterschiedliche Sortieranla- gen, die Müllverbrennungsasche in Primärressourcen verwandeln. Fokus auf die feinen Nichteisenmetalle Pedersen zufolge glaubte vor sechs Jahren noch niemand an das Potenzial der kleinen Partikel in der Asche. „Wir produzieren täglich vier LKW-Ladungen Aluminium“, erklärt er. „Und die finden in der Ressourcen-hungri- gen Industrie ihren Absatz.“ Ent- scheidend ist, dass die Industrie sich nicht direkt aus demPrimär- bergbau versorgen muss, und ihre Nachhaltigkeitsbilanz steigt, wenn sie hochwertige Sekundär- rohstoffe einsetzen. Die größte Verbrennungsan- lage von Kopenhagen produziert circa 240.000 Tonnen Müllver- brennungsasche pro Jahr. „Etwa 20 Prozent des Abfalls aus Ver- brennungsanlagen wird zu Rost- asche. Der Metallanteil in dieser Asche – Partikel von ein bis 100 Millimeter – beträgt etwa zwei Prozent.“NachderVerbrennung erhöht dieAbscheidung vonNE- Metallen mittels Wirbelstrom- scheidung den Metallanteil von zwei auf 50 bis 60 Prozent. Die Anlagen verkaufen die behan- delte Asche für circa 1.000 Euro pro Tonne. „Das heißt, dass wir 2.000 Euro pro Tonne Metall bezahlen. Und für mich liegt der Benefit in den kleinen Partikeln, imFeinkorn.“ Steinert ermöglicht Closed-Loop-Produktion Pedersen fokussiert sich nun auf die Herstellung von Aluminium. Also auf Herstellung von high- end Qualität, die seine Kunden benötigen. Er investierte früh in Technologien zur Trennung von Schwer- und Leichtfraktionen und deren Upgrade in sortenrei- ne Metallprodukte wie unter an- deremAluminiumlegierungen. Der Prozess beginnt mit dem Nichteisenmetallscheider für die Zorba-Rückgewinnung aus der Asche. Hierauf folgt im nächsten Schritt die Separation des Edel- stahls mittels Induktionssortier- system.DieSteinertXSST(Rönt- gentransmission) erzeugt dabei sehr reines Aluminium durch die Aussortierung von Schwermetal- len. Die Erkennung der Sortieran- lageistsopräzise,dasssieeineAlu- miniumreinheit von 99,9 Prozent erreicht. Die Steinert KSS FLI XF (Röntgenfluoreszenz) wiederum ist die modernste Lösung zur Trennung von Schwermetallen in Kupfer, Messing, Zink und Edelmetalle. Der Reinheitsgehalt liegt bei den Schwermetallen bei über 97 Prozent. Kunden wie beispielsweise Aluminiumhütten nehmen fast 100 Prozent des Aluminiums das Scanmetals von diesemTyp pro- duziert, ab zur Produktion neuer Alu-Dosen. Hier wird der Clo- sed-Loop Gedanke Realität. Für die Herstellung von Getränke- dosen waren Hersteller lange auf reinesAluminiumdirekt aus dem Bergbau angewiesen. Pedersens Kunden sind sehr zufrieden mit der Qualität der rückgewonne- nen Ressourcen von Scanmetals und müssen nicht länger Primär- aluminium aus den Bergwerken beziehen – eine echte Win-win- Situation, da der Käufer gleich- zeitig seineNachhaltigkeitsbilanz verbessert. Bis zu zehn Mal kann rückgewonnenes Aluminium damit ohne Qualitätseinbußen recycelt werden. „EY Entrepreneur of the year 2018“-Award Ernst & Young überreichte ver- gangenes Jahr Ejvind Pedersen den Unternehmerpreis in der Kategorie „Innovation“. Er über- zeugte die Jury mit beeindru- ckenden Wachstumsraten, mit seiner Innovationskraft und sei- nem sozialen Engagement. Und auchdiesmal nutztePedersendie Gunst der Stunde. Er fragte in seiner Dankesrede, ob jemand in seine Vision investieren möchte, um diese in die Welt zu tragen und weitere Arbeitsplätze in der Ressourcenindustrie zu schaffen. „Ich habe aus Fehlern gelernt. Ich habe ein gesundes Unter- nehmen aufgebaut, und ich habe eine innovative Vision mit viel Zukunftspotenzial. Es hat in meinem Leben viele Heraus- forderungen gegeben, aber ich habe meine Chancen immer genutzt, und damit war ich erfolgreich. Das hat mir Selbst- vertrauen gegeben.“ Eine Woche nach der Preis- verleihung konnte Pedersen den nächsten Erfolg verbuchen. Die Lego-Familie meldete sich bei ihm und stieg ins Geschäft ein. Das Unternehmen schenkt sei- nen Visionen Vertrauen und will in die Expansion seiner nächsten Projekte in Europa investieren – damit der Materialkreislauf erhalten bleibt. Übrigens: Scan- metals ist in der Lage, innerhalb eines Jahres nach Erteilung der Betriebsgenehmigung seitens der Umweltbehörden ein neues Werk zu errichten und in Betrieb zu nehmen. NeueWerke werden in Eigenregie, als Joint-Venture oder im Rahmen von Koopera- tionen geführt. 1: Ejvind Pedersen (66), CEO von Scanmetals A/S in Dänemark: „Steinert war zur Stelle, als ich eine Lösung brauchte, und vermietete mir seine Röntgen-(XRT)-Sortiermaschine zur Herstellung sauberer Aluminiumprodukte.“ | 2: Andere Unternehmen vernachlässigen die feine Körnung. Hierin liegt der Vorteil für Scanmetals. 3: Der „EY Entrepreneur of The Year“-Award ist einer der prestigeträchtigs- ten Preise für Corporate Excellence weltweit. Das Programm ist in 60 Ländern vertreten und vereint die besten Unternehmer der Welt. M it Stand Dezember 2018 hat das European IPPC Bu- reau (EIPPCB) einen abschließenden Entwurf zu den BVT-Schlussfolgerungen für die Abfallverbrennung ver- öffentlicht. Das Referenzdokument enthält unter anderem Spann- breiten von Emissionsgrenzwerten für Luft und Wasser und kann kostenfrei in englischer Sprache von der Website des EIPPCB heruntergeladen werden. Altanlagen sind innerhalb von vier Jahren nach der noch 2019 zu erwartenden Veröffentlichung der BVT- Schlussfolgerungen im Amtsblatt der Europäischen Union an den Stand der Technik anzupassen. Wie auch schon in den bereits im August letzten Jahres veröf- fentlichten Schlussfolgerungen für die Abfallbehandlung, wird auch hier die Einführung und Anwendung eines Umweltmanagement- systems (UMS) als beste verfügbare Technik zur Verbesserung der allgemeinen Umweltleistung angeführt. Dabei wird allerdings nicht die gesamte Organisation mit allen ihren Produkten und Dienstleistungen einbezogen, sondern nur die IPPC Anlage selbst, da diese die in der Industrie-Emissionsrichtlinie geregelte Einheit darstellt. Das UMS muss dabei nicht zwingend standardisiert sein. Es wird aber gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Einführung eines standardisierten Umweltmanagementsystems, wie etwa ge- mäß EMAS oder ISO 14001, zu einer höheren Glaubwürdigkeit beitragen kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das UMS zusätzlich einer externen Überprüfung unterzogen wird. Neu ist allerdings, dass der Entwurf bei den Anforderungen hinsichtlich UMS sowohl eine interne, als auch eine unabhängige externe Überprüfung verlangt. In anderen, älteren BVT-Schluss- folgerungen ist an dieser Stelle nur von internen oder externen Prüfungen die Rede. Wird der Entwurf von der EU-Kommission angenommen, bedeutet das, dass in Zukunft die Durchführung eines externen Audits des UMS für IPPC-Abfallverbrennungsan- lagen als verbindlich anzusehen ist. In diesem Zusammenhang hebt der Entwurf speziell ein UMS gemäß EMAS als Beispiel für die Erfüllung der Anforderungen an Umweltmanagementsysteme hervor. EMAS bringt vor allem deshalb zusätzliche Glaubwürdigkeit, da es - insbesondere durch das Instrument der Umwelterklärung - den Austausch mit der Öffentlichkeit forciert. Weiters tragen auch die Anforderungen hinsichtlich der Sicherstellung der Einhaltung geltender Rechts- vorschriften zu mehr Glaubwürdigkeit bei. In diesem Sinne könnte sich ein normiertes UMS gemäß ISO 14001 oder EMAS zukünftig als durchaus praktikabel für die betroffenen Betriebe erweisen, obwohl die Einführung eines zertifizierten Umweltmanagementsystems nicht zwingend vorge- schrieben werden soll. DI Dr. Rudolf Kanzian Mag. Melanie Zwirn, M.Sc. KANZIANENGINEERING&CONSULTINGGmbH– KEC office@kec.at Integrierte Managementsysteme DI Dr. Rudolf Kanzian BVTSchlussfolgerungen Abfallverbrennung Machen Sie Abfall zu Wertstoff – mit HSM! HSM Ballenpressen sind immer Spezialisten, wenn es darum geht, Abfallmaterialien zu verdichten. Egal welches Material Sie verarbei- ten müssen, welche Volumina und örtlichen Gegebenheiten Sie haben – bei HSM finden Sie das geeignete Produkt „Made in Germany“. www.hsm.eu · info@hsm.eu G E R M A N Y M A D E I N 1 2 3 Fotos: Steinert WWW Besuchen Sie uns jetzt auf www.umweltjournal-online.at

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